Hilfe für Kinder im Süd Sudan

Reisetagebuch für Südsudan: Neue Entbindungsstation in Yambio fertig

Zurück in den Süd Sudan...

Ich habe mich sehr auf diesen Folgebesuch gefreut, auf den mich meine Freundin Claudia Steigenberger, der Interim-Geschäftsführer von UNICEF Deutschland Christian Schneider, meine Mitarbeiterin Margarethe Thein und die Filmemacherin Susanne Sgrazzutti begleiten.

Ich bin sehr gespannt, die Fortschritte zu sehen und mit den UNICEF-Mitarbeitern über neue Projekte im Süd-Sudan zu sprechen. Schwerpunkte werden Gesundheitsmaßnahmen wie das "Überlebenspaket für Kinder" und die Wiedereingliederung von Kindersoldaten sein.

Einleitung Sudan-Reise 2010

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zum Tagebuch:

Anreise von Frankfurt nach Nairobi und Weiterflug nach Juba
Juba - Ein Kinderkrankenhaus für alle...
Yambio, Lektionen fürs Leben - wenn die Schule in der Kiste den Weg zu den Kindern findet.
Rumbek – Bildung für kleine Soldaten…
Rumbek-Juba.


Anreise von Frankfurt nach Nairobi und Weiterflug nach Juba

Der Weg führt über Amsterdam nach Nairobi und von dort in den Süd-Sudan. Der erste Ort ist Juba – Juba, die Hauptstadt des Süd-Sudan. Nach 21 Jahren Bürgerkrieg zwischen dem Nord- und Südsudan gab es 2005 ein Friedensabkommen. Der Krieg hat über 2 Millionen Tote gefordert.

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Grace Kyeyune, die Leiterin des UNICEF-Büros berichtet uns, dass nach wie vor das Leben für viele Kinder ein Überlebenskampf ist.


•    112 von 1000 Kindern sterben vor ihrem 5. Geburtstag
•    81 Kinder von 1000 sterben vor der Geburt
•    1.107 Mütter von 100.000 sterben bei der Geburt
•    68% der Kinder sind nicht vollständig geimpft
•    40% der Bevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Wasser, 70% keine sanitären Anlagen
•    Nur 53,7 % der Kinder gehen zur Schule, nur 20% schließen die Schule ab
•    62% der Frauen können nicht lesen und schreiben
•    10.000 Kinder kämpfen als Kindersoldaten
•    36% der Mädchen werden vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet
•    Im Sudan leben die meisten der Vertriebenen der Welt. Ca. 4 Mio. Flüchtlinge, die Hälfte davon aus Darfur.
•    UNICEF hat 8,9 Mio. Kinder gegen Polio geimpft. 3,5 Mio. gegen Masern und 847.800 gegen Diphterie
•    Zusatznahrung und therapeutische Nahrung für über 55.000 mangelernährte Kinder wurden verteilt
•    Im Südsudan wurden 122 Krankenschwestern und Gemeindehelfer ausgebildet
•    2,1 Millionen Menschen wurden mit sauberem Trinkwasser versorgt, was z.B. die Guineawurm-Fälle von 16.000 (2006) auf 5.000 Fälle (2007) senkte
•    Latrinen für 480.000 Menschen wurden gebaut oder instand gesetzt


Besonders im Süd-Sudan ist die Bildungssituation sehr schlecht. Die Ann-Kathrin-Linsenhoff-UNICEF-Stiftung unterstützte im Jahr 2005 mit dem Schafhof-Festival den Bau von Dorfschulen für Mädchen sowie die Instandsetzung einer Schule für ehemalige Kindersoldaten in Rumbek.

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Juba - Ein Kinderkrankenhaus für alle...

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...das einzige Kinderkrankenhaus im Süd-Sudan ist in der Hauptstadt Juba.

Trotz mancher Fortschritte ist der Süd-Sudan einer der härtesten Orte dieser  Welt für Kinder. Das sieht man den jungen Mädchen im Shabbah Hospital an. Es ist das einzige Kinderkrankenhaus im Süd-Sudan - 500-600 Kinder werden täglich von ihren Müttern gebracht, jeder dritte kleine Patient muss da bleiben.

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Die Mütter reagierten sehr zurückhaltend, fast abweisend, auf Gespräche. Das kann man bei der Geschichte des Landes verstehen. Viele Krankheiten begegneten uns - wie Malaria, Durchfall, Guinea-Wurm, Lungenentzündung. Viele Kinder leiden unter der schweren Form der Mangelernährung. Sie müssen zunächst mit angereicherter Milch von UNICEF aufgepäppelt werden. Die Dürre und die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind einer der Gründe. Es fehlt an Personal und Lohn. Medikamente sind ebenfalls Mangelware. Der Zustand des Krankenhauses, das 1983 erbaut wurde, ist desolat. Die Kinder mit ihren Müttern leben während ihres Krankenhaus-Aufenthaltes im Hof und kochen auch dort, was für uns ungewöhnlich erscheint.

Bei einer Rundfahrt durch Juba ist die Diskrepanz von Hütten, Zelten und gemauerten Häusern auffällig. Bestimmt sozialer Brennstoff, den es zu lösen gilt!

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Yambio, Lektionen fürs Leben - wenn die Schule in der Kiste den Weg zu den Kindern findet.

Heute fliegen wir nach Yambio, der Hauptstadt von Western Equatorial State mit 153.257 Einwohnern. Eigentlich soll hier seit 5 Jahren Frieden sein, aber die Sicherheit der Grenze zu Uganda ist nicht gewährleistet. Daher gibt es Überfälle von der LRA, einer ugandischen Rebellentruppe. Seit 2 Jahren verunsichern sie das Gebiet. Erst letzte Woche sind 2 Mitarbeiter des Bildungsministeriums grausam um's Leben gekommen.

In der Pazna Yambio Primary School mit 532 Schülern - davon 238 Mädchen und 294 Jungen - treffen wir Suzy, 12 Jahre alt. Sie ist Vollwaise und lebt bei ihrer älteren Schwester. Suzy ist die Einzige aus ihrer Familie, die zur Schule geht. Für Suzy und viele andere Mädchen ist es schon eine gute Nachricht, dass sie überhaupt zur Schule gehen. Bei meinem ersten Besuch war das überhaupt nicht der Fall. Stolz läuft Suzy jeden Tag 1 Stunde zur Schule. Die Schule wurde mit Material von UNICEF errichtet. Gebaut haben sie die Eltern selbst. Jetzt sorgt UNICEF auch für Lernmaterial mit Hilfe der Schule in der Kiste, die wir mit den UNICEF-Kollegen verteilen.

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Der Lehrer, Peter Patrik Mande, informiert uns über den bestehenden Lehrermangel - es fehlen vor allem Lehrerinnen. Außerdem fehlen Klassenzimmer - der Unterricht findet unter einem Baum statt. Auch das Lehrerzimmer besteht aus einem Stuhlkreis unter einem Baum.

In der Yabongo Primary School sind 877 Schülerinnen. UNICEF unterstützt die Schule bereits seit Jahren. Unter den Schülerinnen sind viele, denen der Krieg und HIV/Aids ein schlimmes Schickssal beschert haben. Unter den 56 Schülerinnen der achten Klasse ist Monica, 16 Jahre. Sie hat beider Eltern durch das HIV-Virus verloren und versorgt alleine ihren 12 Jahre alten Bruder Sovura.

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Monica lädt uns ein, ihr Zuhause zu besuchen (s. Foto). Sie lebt in einer 3x3 m großen Lehmhütte. Das Grasdach ist längst undicht geworden. Der Hausstand besteht aus dem alten Bett des Vaters und einer auf dem Boden liegenden Schaumstoffmatte. Dennoch: über Monicas Bett klebt der Stundenplan und zum Lesen zündet sie eine kleine Öllampe an - ansonsten ist es in der Hütte dunkel. Nur der Bruder hat ein Moskitonetz - und Monica hat Malaria.

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Für die beiden geht es jeden Tag um's Überleben. Gestern konnte Monica nicht arbeiten. Sie verdient sich ein wenig Geld mit kleinen Diensten für die Nachbarn. Wenn das nicht geht, gibt es nichts zu essen - so wie gestern. Es ist bemerkenswert und offensichtlich für Monica sehr wichtig, zur Schule zu gehen. für den Schulbesuch ihres  Bruders gibt es kein Geld.

Die Leiterin des Provinz-Büros, Grace Kyeyune aus Uganda - eine sehr bemerkenswerte Frau - berichtet über den Zustand der Geburtsstation im Krankenhaus von Yambio. "Geburtsstation" ist dafür ein großes Wort. Bei 4-5 Geburten am Tag ein Raum von 5x2 m mit drei vorsintflutlichen Geburtsstühlen - von Hygiene ganz zu schweigen; hier fehlt es an allem.

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Die Mütter aus der Umgebung haben die Wahl zwischen den großen Gefahren einer Hausgeburt und diesem "Kreissaal". Jetzt versteht man, warum die Müttersterblichkeitsrate mit die höchste der Welt ist.

 

Rumbek – Bildung für kleine Soldaten…

Heute besuchten wir die Deng Nhial Primary School, eine Schule für ehemalige Kindersoldaten. Diese Schule wurde mit den Spenden des Schafhof-Festivals unterstützt. Dadurch entstanden vier neue Klassenräume, ein Latrinenhaus, eine Wasserstelle, und außerdem konnte UNICEF die Lehrer-Ausbildung unterstützen.

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Einige Lehrer sind ehemalige Kindersoldaten und stehen so für die kleinen Schritte in Richtung Frieden.
Der heute 33jährige Lehrer Johnson wurde während des Krieges bei einem Bombenangriff verletzt –  da war er 12 Jahre alt. 1999 konnte UNICEF ihn gemeinsam mit mehr als 3000 Kindern befreien. Jetzt unterrichtet er hier in Rumbek die dritte Klasse. Wie dieser Lehrer ist unser UNICEF-Kollege Abraham (34) ein Vorbild für die Jungs von heute – er war selbst viele Jahre bei der SPLA.  Er ist nun seit vielen Jahren Sozialarbeiter und setzt sich vehement für die Befreiung der Kindersoldaten ein. Eine unwahrscheinlich beeindruckende Person ist der 2m lange Hüne aus dem  Volk der Dinka. Er hat eine Vision, denn er wird nicht eher ruhen, bis auch der letzte der noch vermutlich 1.200 Kindersoldaten demobilisiert ist.

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Bei einem Besuch der Familie von John (18) erfahren wir, wie schwer der Weg zurück in einen normalen Alltag ist. Er ist seit 2 Monaten zurück in seiner Familie. Für alle Mitglieder der Familie gibt es zu wenig zu essen und kaum ein Platz zum Schlafen. In der Rebellen-Armee hat er ca. 100 $ bekommen und täglich eine warme Mahlzeit. Die Familie war glücklich, ihn trotz aller Schwierigkeiten wieder zu sehen – sie hatten seit 3 Jahren nichts mehr von ihm gehört. Abraham von UNICEF besucht ihn jeden Monat, um ihm über die Startschwierigkeiten hinwegzuhelfen.

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Zum Abschluss besuchen wir das Warenlager von UNICEF im Süd-Sudan. Was hier in den hohen Regalen auf dem Transport in die Provinzen wartet, wird Kinderleben retten. Das Moskitonetz schützt vor Malaria, einer der häufigsten Todesursachen. Die Zucker-Salz-Lösung hilft gegen das Austrocknen bei Durchfall – ein weiteres Symptom bei vielen Krankheiten. Die Utensilien zur Impfung von Masern und Tetanus werden hier gelagert. Ein Seifenstück hilft selbst unter den schwierigen Lebensbedingungen im Süd-Sudan, ein wenig für Lebensfreude zu sorgen. UNICEF setzt all dies mit großer Wirkung ein, um die hohe Kindersterblichkeit im Süd-Sudan zu senken. Diese Maßnahme können Sie mit Hilfe meiner Stiftung unter dem Stichwort „Überlebenspaket“ unterstützen. Online unter www.linsenhoff.de

Rumbek-Juba.

Wir verlassen Rumbek mit der Vision unseres UNICEF-Kollegen Abraham, dass endlich alle Kinder im Sued-Sudan frei von Krieg und Gewalt aufwachsen sollen. Zurueck in Juba gibt es eine Pressekonferenz mit der lokalen Presse. Drei der 5 anwesenden Journalisten waren Frauen, die sich besonders fuer das Thema Bildung im Allgemeinen im Sued-Sudan und besonders fuer die Bildungssituation der Maedchen interessierten. Genau das ist wichtig, denn sie sind Vorbilder fuer die vielen Maedchen, die nicht zur Schule gehen. Unsere Aufgabe ist es nun, die Fortschritte, aber auch die Noete der Kinder im Sued-Sudan moeglichst vielen Menschen nahezubringen. Wir duerfen die Kinder in Juba, Yambio und Rumbek nicht vergessen!



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